Regional und Ursprungsgebiete – Was bedeutet das?

Als regionale Wildpflanzen bezeichnet man Wildpflanzen des jeweiligen Ursprungsgebietes. Deutschland ist in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Die Gebiete unterscheiden sich aufgrund ihrer geografischen und klimatischen Bedingungen.

Die Einteilung in die Ursprungsgebiete erfolgte aufgrund einer umfangreichen Forschungsarbeit. Sie wurde von 2008 bis 2010 von der Universität Hannover in Kooperation mit dem Verband Deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. (VWW)  durchgeführt.

Man kann sich leicht vorstellen, dass eine Wildpflanze im Alpenraum andere Ansprüche an ihren Standort und das Klima stellt als eine aus Norddeutschland. Auch der Blühzeitpunkt der Pflanze ist manchmal ein anderer und genau auf den Schlupfzeitpunkt der Insektenarten aus der Region abgestimmt.

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In der Natur nur regional

Seit 2020 darf auf außerörtlichen Flächen – also in der „freien Natur“ – nur noch zertifiziertes Wildpflanzen-Saatgut des entsprechenden Ursprungsgebietes ausgebracht werden (siehe § 40 BNatSchG).

Von dieser Regelung sind landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzflächen ausgenommen. Auch im Siedlungsgebiet – d. h. in deinem Garten oder auf deinem Balkon – gilt diese Vorschrift nicht. Jedoch gibt es dazu fachliche Empfehlungen, denn natürlich hilft es den heimischen Insekten und der Natur insgesamt, wenn auch im Siedlungsbereich möglichst viele regionale Wildpflanzen wachsen. Gerade diese vielen kleinen Flächen bilden zusammen einen wertvollen Lebensraum – wenn sie entsprechend bepflanzt und ohne Pestizide gepflegt werden.

Die Bedeutung des Siedlungsbereiches

Foto: Otto de Zoete

Prof. Dr. Josef Reichholf, Stadtkökologe der Uni München hat die Artenvielfalt auf dem Land und in der Stadt untersucht. Er fand heraus, dass die Artenvielfalt in den Städten weitaus größer ist, als auf dem Land. Die land- und forstwirtschaftlichen Flächen stellen riesige Monokulturen dar, während in den Städten –  trotz der vielen bebauten Flächen –  viele Kleinstrukturen zu finden sind. Sie werden oft weder mit Pestiziden behandelt noch gedüngt und bieten vielen Tieren, darunter auch seltenen  Insektenarten, ein lebenswertes Refugium. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es insgesamt schlecht um die Artenvielfalt steht. Aber es ist ein Hinweis darauf, wie schlecht es um die freie Natur steht und wie wichtig naturnahe Flächen im Siedlungsbereich sind.

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Die 22 Ursprungsgebiete in Deutschland:

  1. Nordwestdeutsches Tiefland
  2. Westdeutsches Tiefland mit Unterem Weserbergland
  3. Nordostdeutsches Tiefland
  4. Ostdeutsches Tiefland
  5. Mitteldeutsches Tief- und Hügelland
  6. Oberes Weser- und Leinebergland mit Harz
  7. Rheinisches Bergland
  8. Erz- und Elbsandsteingebirge
  9. Oberrheingraben mit Saarpfälzer Bergland
  10. Schwarzwald
  11. Südwestdeutsches Bergland
  12. Fränkisches Hügelland
  13. Schwäbische Alb
  14. Fränkische Alb
  15. Thüringer Wald, Fichtelgebirge und Vogtland
  16. Unterbayerische Hügel- und Plattenregion
  17. Südliches Alpenvorland
  18. Alpen
  19. Bayerischer und Oberpfälzer Wald
  20. Sächsisches Löß- und Hügelland
  21. Hessisches Bergland
  22. Uckermark mit Odertal

Auf der Karte siehst du die Ursprungsgebiete farblich markiert und nummeriert. Darunter sind die Grenzen der 16 Bundesländer eingetragen.